Machen müssen, machen wollen, wollen sollen.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich viele Sachen machen muss. Eigentlich habe ich das Gefühl bei ziemlich vielen Sachen. Eigentlich bei fast allen.

Ich lese zum Beispiel sehr gerne. Ich will lesen, weil ich gerne neue Sachen lerne. Ich habe eine Leidenschaft fürs Lesen. Also ist es ein bisschen so, als müsste ich erst alle Bücher oben gelesen haben, bevor ich durch die Tür gehe. Dann wird das „Lesen wollen“ auf einmal zum „Lesen müssen“. Aber will ich nicht eigentlich lesen? Rational würde man ja vielleicht sagen, ich könnte einfach durch die Tür gehen und ab und an zurück kommen, um ein neues Buch zu holen. Problem gelöst.

Kurz gefasst: Das Dilemma kommt, wenn ich denke, dass ich die Sachen, die ich machen muss, eigentlich wollen sollte. Problem erkannt. Der Lösungsanatz folgt.

Wollen sollen.

Ich will mich beispielsweise in einem bestimmten Bereich weiterbilden, bin wirklich interessiert daran und weiß, dass es mich weiterbringen wird. Aber nach einem Arbeitstag voller Müssen, habe ich dann abends zu wenig Kopf für das Wollen.

Dann denke ich: Ok, jetzt Essen machen, dann eine Stunde entspannen, dann Sachen machen. Am Ende mache ich dann das, was mir am wichtigsten ist – eben die Sachen, die ich machen will – nicht. Essen machen hat eben doch länger gedauert und richtig entspannt war ich nach der Stunde auch nicht und eigentlich muss ich dringend ins Bett.

Und dann kommt eben diese Frage auf: Warum machst du die Sachen, die du machen willst eigentlich nicht? Willst du sie nicht genug? Warum bin ich immer k. o., wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme? Andere schaffen das doch auch. Was ist denn mein Problem? Mach doch einfach mal was.

Einige Dinge, die ich in der Theorie gelernt habe, die diesem Teufelskreis entgegenwirken:

1. Denk nicht so viel nach.

Es bringt nichts, sich fertig zu machen, weil man etwas machen will und es einem dann doch zu viel wird. Wie ich in meinem
letzten Artikel schon geschrieben habe, sollte ich viel mehr auf mein Herz hören, was genau ich da eigentlich mache und wieso. Nicht immer über alles Grübeln.

Ich habe gehört, Aufschreiben hilft. Gedanken aufschreiben die einem so im Kopf herumschwirren, auch wenn sie vielleicht belanglos und banal sind. Das macht den Kopf frei, habe ich gehört. Also schreibe ich, was mich gerade viel beschäftigt und das könnt ihr hier lesen. Das Thema mit dem Aufschreiben führt eigentlich schon zum nächsten Punkt:

2. Mach dir einen Plan.

Ich mache mir oft einen Plan, so ist es ja nicht. Ich plane eigentlich jeden Tag, was ich nach der Arbeit alles machen will. Aber meistens mache ich es dann nicht, weil etwas anderes dazwischen kommt (ich will ja auch spontan sein…) oder das eine länger dauert als geplant und ich das andere dann nicht mehr schaffe.

Aber wenn ich mir einen Plan mache und diesen vielleicht auch aufschreibe, habe ich genauer vor Augen, ob es überhaupt realistisch ist, alles zu schaffen, was ich mir vornehme. Wenn ich dann mal früher fertig bin, kann ich getrost Nichts machen (das mache ich nämlich auch sehr gerne). Wenn ich nicht alles geschafft habe, kann ich einplanen, wann ich es stattdessen mache.

3. Vergleiche dich nicht mit anderen.

The grass is always greener on the other side…

Wenn ich anfange, mich mit Freunden, Kollegen, Bekannten, Autoren zu vergleichen, tue ich das meistens mit genau den Personen, die alles das, was ich nicht immer schaffe, schaffen: Sie sind organisierter, zielstrebiger, können wunderbar netzwerken und haben außerdem noch super viel Zeit für ihre Freunde und mit ihrem Partner die beste Beziehung der Welt – man sieht eben immer nur das, was man sehen will.

Das Ding dabei ist, ich kann diese Sachen alle auch. Ich bin darin eigentlich auch gar nicht so schlecht. Manche Sachen schaffe ich mal mehr, mal weniger gut. Aber ich mache eben mein Ding und das genau in der Geschwindigkeit und Intensität, in der ich es machen kann und will. Es gibt so viele Menschen, die so viel weniger machen als ich (vielleicht wollen sie das so, vielleicht auch nicht) und so viele andere, denen alles (scheinbar) so leicht von der Hand geht. Die harte Arbeit dahinter, die Zweifel oder die sich im Kreis drehenden Gedanken der Anderen sieht man ja nicht oder will sie nicht sehen.

Jeder ist für sich selbst verantwortlich und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Du bist für dein Leben selbst verantwortlich. Ich bin für mein Leben selbst verantwortlich. Die Krux an der Sache:

4. Mache nicht immer alles gleichzeitig.

Jeder hat mehrere Baustellen, die er eigentlich angehen sollte. Aber wenn man in einem Haus an jedem Raum ein bisschen was renoviert, ist in jedem Raum Chaos und man kann nirgendwo in Ruhe wohnen. Daher wäre eine bessere Vorgehensweise, erst einmal Badezimmer, Küche und Schlafzimmer zu renovieren und fertig zu bekommen und dann Schritt für Schritt die anderen Räume fertig zu machen, bevor man sich dann zum Schluss mit den Blumen im Garten beschäftigt.

Also: Ich überlege mir, welche meiner Baustellen die ist, die am wichtigsten ist. Dann mache ich mich daran, diese fertigzustellen. Danach mache ich mich an die nächste Aufgabe und kann diese viel besser meistern, weil ich immer wieder einen Rückzugsort habe – etwas das ich schon verbessert und gemeistert habe.

5. Nimm Hilfe von anderen an.

Ich will immer alles alleine schaffen und alles verstehen. Das macht mich zu einem sehr eigenständigen Menschen mit extrem viel Hintergrundwissen in vielen Bereichen. Das betrifft aber oft nur die Bereiche, für die ich mich wirklich interessiere. Die Bereiche, die mich nicht so sehr interessieren, bleiben dann auf der Strecke.

Die Informationen, die ich mir nicht aneignen will, erlesen sich andere Menschen vielleicht mit großer Begeisterung. Warum also nicht auf dieses mit Freude angelernte Wissen zurückgreifen? Ich kann mir die Themen ja von diesen Menschen erklären lassen. Denn dann kann ich selbst mündige Entscheidungen treffen – sei es auch, dass andere eine Aufgabe für mich übernehmen. Eigentlich ganz einfach, oder?

6. Sei mal wieder gelassen.

Es ist ok, nicht alles immer auf der Stelle richtig zu machen. Aus Fehlern lernt man. Wenn ich etwas auf die eine Art nicht sofort hinbekomme, dann vielleicht auf eine andere. Also chill mal dein Leben – oder so.

Theorie vs. Praxis

Wie gesagt. Theoretisch weiß ich das alles. Praktisch hapert es noch an der ein oder anderen Stelle. Ok, an den meisten. Aber Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Seid gewiss: Ich lasse euch am weiteren Verlauf der Sache teilhaben. Denn Aufschreiben hilft.

Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Was bringt dich weiter? Was hilft dir weiter?

Ich freue mich über deine Tipps und Ideen unten in den Kommentaren!

Eine Antwort auf “Machen müssen, machen wollen, wollen sollen.”

  1. Liebe Rebecca,
    das Problem mit dem wollen sollen kommt mir sehr bekannt vor. Ich nehme mir auch sehr gerne sehr viel vor. So viel, dass mir eigentlich beim Planen schon klar ist, dass das wohl nichts wird. Und sobald man dann einen Punkt seiner Liste nicht geschafft hat, hat man das Gefühl nichts geschafft zu haben. Zumindest ist das bei mir oft so. Mir hilft kategorisieren dabei sehr. Und Reduzieren. Also so richtig reduzieren. Angefangen habe ich mit einer Aufgabe pro Woche. Das konnten kleine Sachen sein, wie Fingernägel beim Baby schneiden. Oder größere wie Wäsche waschen. Total banal. Aber zu bewältigen. Mittlerweile traue ich mich je nach Stimmung an eine Aufgabe pro Tag. Dann kann ich selber entscheiden, wann ich sie erledige. Schläft das Baby nach dem Weg zur Krippe und zurück? Super, dann kann ich die Zeit nutzen. Oder mich kurz entspannen. Es werden sich noch weitere Möglichkeiten bieten, meine Aufgabe zu erledigen. Und wenn einfach mal nichts nach Plan läuft, habe ich nur EINE Aufgabe, die ich weiterschieben kann. Auch kein Drama. Ich erlaube mir aber auch, die Aufgabe spontan zu ändern. Wenn ich mir vorgenommen habe in Ruhe in meine Lieblingszeitschrift zu schauen, dann aber doch lieber nähen möchte, mache ich eben das. Und das ist ok. Es ist schließlich meine Zeit und wenn ich etwas für mich tun möchte, darf ich auch auf meine Befindlichkeiten eingehen. Wenn ich das nicht selber mache, wer dann?
    Um deine Nummerierungen zu eränzen:
    1. Priorisieren
    2. Reduzieren
    3. auf mich selbst hören
    und natürlich 4. nicht zu streng mit mir sein

    Was mir gerade noch einfällt: in „Vorbild“ steckt ja das „Bild“ schon drin. Wenn ich ein Bild zu einer bestimmten Situation machen und anderen zeigen möchte, kann ich mehrere Bilder machen, aussortieren, neu arrangieren etc. Es ist eben nur EIN Bild. Man kann eben nicht hinter die Fassaden schauen. Einfach so zu „tauschen“ wäre mir da zu riskant. Ich weiß ja aus eigener Erfahrung, dass man Anderen nicht unbedingt ansieht, was sie sonst noch so mit sich rumtragen. Wer weiß, was man dann außer dem vermeintlich Perfekten noch so bekommt?!

    Liebe Grüße
    Susanne

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